Ergebnispräsentationen in einem virtuellen VR-Museum

Anne Roßa – Bildschirmfoto „Artsteps in Education“ – CC BY-SA 4.0https://wordpress.com/post/openrelideas.com/628

Ist es möglich einen Museumsgang mit den Ergebnissen von asynchronen Lerneinheiten und synchronen Gruppenarbeitsphasen trotz Kontakbeschränkungen durchzuführen?

Ja – zum Beispiel mit der kreativen, kostenfreien Plattform artsteps , die mithilfe eines sehr anwender:innenfreundlichen Editors das Erstellen virtueller VR-Museumsräume ermöglicht. Eigene Bilder, Videos und Sounds können eingefügt und durch entsprechende 3D-Elemente ergänzt werden.

Für Lehr-Lernszenarien ist von besonderer Bedeutung, dass die einzelnen Ausstellungsstücke kommentiert werden können, sodass hier Arbeitsaufträge und Beobachtungsaufgaben für den Museumsgang formulierbar sind.

Die kostenlose Veröffentlichung über die artsteps-Plattform ist direkt nach dem Erstellen über die Funktion „Editieren“ möglich und der Museumsraum kann via Link geteilt werden. Sobald mehrere Besucher:innen virtuell anwesend sind, können sie sich auch via Chat miteinander austauschen.

Der Einsatz von artsteps bietet sich somit für verschiedene Lehr-Lernszenarien an, da durch derartige Ausstellungen die verschiedenen Ergebnisse angemessen gewürdigt werden und ein vertiefter Austausch darüber ermöglicht wird. Vorteile dieses methodischen Zugangs sind, dass die Lernenden aus den zur Verfügung gestellten Informationen die wichtigsten Erkenntnisse prägnant auf einem Poster zusammenfassen müssen und diese Ergebnisse mit Hilfe entsprechender Tools wie z.B. Office Lens oder Canva digital aufbereiten können. Darüber hinaus können sie sinnvolle Fragestellungen zu ihrem Ergebnis formulieren, wodurch ein vertieftes Verständnis zum eigenen Thema deutlich wird.

Um zu verdeutlichen, dass die Nutzung von artsteps im Bildungsbereich fachunabhängig und ohne spezifische Vorerfahrungen im VR-Bereich möglich ist, wurde die Ausstellung „Artsteps in Education“ erstellt, die drei Ausstellungsbereiche miteinander verbindet: Im Außenbereiche sind Bilder zum Thema „Karwoche“ ausgestellt und mit beispielhaften Aufgabenstellungen versehen worden. Im Ausstellungsraum (1) finden sich beispielhafte Schüler:innenergebnisse zu verschiedenen Themen und eine 3-D-Installation. Im Ausstellungsraum (2) sind verschiedene Tipps, Tools und didaktische Perspektiven eines virtuellen VR-Museumsgangs dargestellt und ein Flingaboard wurde verlinkt, sodass interaktive Einschätzungen ergänzt werden können. Auch wenn die Links nicht direkt zu den Seiten führen, sondern via „Copy & Paste“ aktiviert werden müssen, ist dies über diesen leichten „Umweg“ trotzdem möglich.

Insgesamt ist „Artsteps in Education“ ein Beispiel dafür, dass es mittlerweile zahlreiche kostenfreie Anwendungen und Tools gibt, die auf eine erfinderische, kreative Anpassung für die eigenen Lehr-Lernszenarien warten und lediglich entdeckt und geteilt werden müssen!

Anne Roßa – Ergebnispräsentation in einem virtuellen VR-Museum – CC BY-SA 4.0https://wordpress.com/post/openrelideas.com/628

Digitales Stationenlernen im Religionsunterricht?!

Durch offene Lernangebote wie das Lernen an Stationen oder Lerntheken wird selbstgesteuertes und eigenständiges Lernen maßgeblich gefördert. Dadurch, dass zu einem übergeordneten Themenbereich Pflicht- und Wahlaufgaben mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus in Einzel-, Partner- oder Kleingruppenarbeit mit oder ohne Möglichkeit zur Selbstkontrolle gelöst werden können, wird darüber hinaus auch kommunikatives und kooperatives Lernen ermöglicht. Aufgrund dessen lässt sich das Stationenlernen leicht auf die spezifischen Lerngruppen anpassen und kann somit z.B. zum vertiefenden Üben zu allen Themen, in allen Fächern und Altersstufen eingesetzt werden.

Da in der gegenwärtigen Situation hybride Lernformen immer bedeutsamer werden, eröffnen sich auch in Bezug auf die verschiedenen, in der Praxis bewährten Unterrichtsmethoden zahlreiche neue Perspektiven und Herausforderungen. Der Einsatz eines digitalen Stationenlernens ist demnach sowohl im Rahmen des Distanzlernens als auch im Präsenzlernen, z.B. in Form eines „In-Class-Flip“, denkbar, da diese Methode einerseits durch ein hohes Maß an Offenheit, andererseits aber auch Klarheit in Bezug auf praktische Umsetzungsmöglichkeiten gekennzeichnet ist.

In Zusammenarbeit mit der Lernwerkstatt Religion der Universität Hildesheim haben wir ein digitales Stationenlernen zum Thema „Licht“ erarbeitet, dass in religionsdidaktischen Seminaren durch Lehramtsstudierende der Fächer Evangelische und Katholische Religion erprobt wurde.

Die verschiedenen Stationen wurden mithilfe von Padlet auf einer virtuellen Pinnwand dargestellt. Um kollaboratives Arbeiten zu ermöglichen, wurden verschiedene Aufgabenstellungen so formuliert, dass die Ergebnisse entweder als Kommentar hinterlegt werden sollten oder als Kärtchenabfrage mittels Flinga oder Oncoo zu ergänzen waren. Die Studierenden, die ausgewählte Stationen erkunden und sich anschließend mithilfe entsprechender Reflexionsfragen darüber austauschen sollten, hatten zudem die Möglichkeit, sich zeitgleich in Breakout-Räumen zu vernetzen und so gemeinsam bestimmte Stationen zu erarbeiten.

Nach einer intensiven Erarbeitungsphase fand ein gemeinsamer Austausch über die inhaltliche und methodische Umsetzung des Stationenlernens statt. Die Studierenden wurden aufgefordert, ihre Erfahrungen mit den einzelnen Stationen zu erläutern und Möglichkeiten des Einsatzes dieser Methode im Religionsunterricht zu diskutieren. Insgesamt zeigte sich, dass diese neue Form des Lernens durchgängig sehr positiv bewertet wurde. Insbesondere die Stationen, die eine kreative Auseinandersetzung mit den Inhalten erforderten (z.B. durch das gemeinsame Sammeln von Assoziationen zu Begriffen wie „Licht“ und „Dunkelheit“ oder das kritische Kommentieren ausgewählter Bilder), wurden häufig benannt und deren Einsatzmöglichkeiten im Religionsunterricht diskutiert. Außerdem wurde von Studierenden, die ein ähnliches Stationenlernen vorab schon einmal in Präsenz erlebt hatten, hervorgehoben, dass das digitale Arbeiten an Stationen teilweise sogar intensiver wahrgenommen wurde. Begründet wurde diese Einschätzung beispielsweise dadurch, dass in Präsenz eher die Vielfalt an Stationen, die an verschiedenen Orten aufgebaut waren, wahrgenommen und somit viel Zeit für das Erkunden aufgewandt wurde. Im Gegensatz dazu ermöglichte das Padlet-Board eine klare und strukturierte Darstellung der Stationen, wodurch das Orientieren erleichtert wurde. Darüber hinaus wurde auch die Möglichkeit des gemeinsamen Austausches über die Funktion der Breakout-Räume als sehr lernförderlich beschrieben.

Dieser erste Erfahrungsbericht verdeutlicht, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, bewährte Unterrichtsmethoden auch im digitalen Lernen umzusetzen, wodurch sich wiederum neue Perspektiven für das hybride Lernen eröffnen. Die Interdependenz von Ziel, Inhalt und Methode sowie die entsprechende technische Ausstattung vorausgesetzt, ist somit sowohl eine Erweiterung des Lernangebots beim Stationenlernen in Präsenz denkbar, als auch der Einsatz offener Lernformen im Distanzlernen möglich.

Für den Einsatz im Religionsunterricht ist hervorzuheben, dass insbesondere die prozessbezogenen Kompetenzen wie wahrnehmen, darstellen, deuten, gestalten, sich austauschen und urteilen über einen religiösen Lerninhalt gefördert werden, wenn die einzelnen Lernaufgaben so gestellt sind, dass die Ergebnisse kollaborativ erarbeitet werden müssen. Hier bieten verschiedene Tools wie Flinga oder Cryptpad niedrigschwellige Lösungen, die aufgrund der verschiedenen Visualisierungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten zudem sehr motivierend sind und neue Vernetzungen ermöglichen.

Freie Bildungsmaterialien für den Religionsunterricht?!

Mit der Coronaviruspandemie hat sich die Diskussion um den Einsatz digitaler Medien an deutschen Schulen und Hochschulen grundlegend gewandelt. Infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus (Covid-19) wurden Mitte März 2020 alle Schulen in Deutschland geschlossen und der Präsenzlehrbetrieb an Hochschulen vorerst ausgesetzt.

Da diese Entscheidung aufgrund der Verbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 innerhalb kürzester Zeit nach und nach in allen Bundesländern gefällt wurde, hatten die Schulen und Hochschulen keine Zeit die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen, um Unterricht und Lehre gewissermaßen „über Nacht“ auf E-Learning umzustellen.

Dabei wurde besonders deutlich, wie wenig der Einsatz digitaler Medien in deutschen Schulen und Hochschulen im internationalen Vergleich etabliert ist.[1]

Für die Schulen bedeutete dies, dass „der Unterrichtsbetrieb in Lerngruppen oder im Klassenverband in den Räumlichkeiten der Schulen bzw. in anderen alternativen Örtlichkeiten […] nicht mehr stattfindet und ersatzlos ausfällt. Schülerinnen und Schüler werden nicht mehr beschult“[2].

Es lag demnach im Ermessen der einzelnen Schulen, ob den SchülerInnen für diesen umgangssprachlich als „Corona-Ferien“ bezeichneten Zeitraum Aufgaben gestellt wurden.

Im Spiegel der öffentlichen Berichterstattung zeigte sich, dass viele LehrerInnen den SchülerInnen über die jeweiligen Schulserver Aufgaben zum Wiederholen und Üben stellten. Außerdem war auf dem freien Bildungsmarkt der Trend zu beobachten, dass viele kommerzielle Lernplattformen SchülerInnen kostenfreie Zugänge für den Zeitraum der Schulschließung ermöglichten.

Da derzeit noch keine einheitlichen Erkenntnisse zum Umgang der Schulen mit der Situation der Schulschließungen vorliegen, erweist sich  jedoch der Blick in den Fächerkanon der kostenpflichtigen Lernplattformen, die an den Bildungsplänen orientierte Lerninhalte mithilfe von Erklärvideos und entsprechenden Begleitmaterialien vermitteln, als sehr bedeutsam, da das Fach Religion hier nicht berücksichtigt wird.

Anhand dieses Beispiels wird deutlich, wie wichtig freie Bildungsmaterialien für den Religionsunterricht sind.

Um zukunftsfähig zu bleiben, sind deshalb insbesondere die ReligionslehrerInnen gefragt, hier ein vergleichbares Lernangebot für den Religionsunterricht zu stellen.

Die Lernplattform „openRELideas“ möchte hierzu einen unterstützenden Beitrag leisten und möglichst viele Ideen und Unterrichtsmaterialien für das Fach Religion entwickeln und frei zur Verfügung stellen.

Sie richtet sich dabei insbesondere auch an angehende ReligionslehrerInnen, die aufgrund der gegenwärtigen Situation leider nur sehr begrenzte schulpraktische Erfahrungen sammeln konnten. Die Lernplattform soll ihnen deshalb die Möglichkeit geben, ihre Unterrichtsplanungen und -ideen mit anderen zu teilen und ihnen somit eine reale Lehr- und Lernsituation zu eröffnen.

Vielleicht gelingt es zudem, durch diese Lernplattform und Ideenwerkstatt neue Netzwerke zu bilden, in denen durch die Kooperation und den Austausch von BerufsanfängerInnen und erfahrenen LehrerInnen gemeinsam Ideen für einen zukunftsfähigen Religionsunterricht entwickelt werden.

Wir laden Sie und Euch herzlich ein, dieses Projekt zu unterstützen!

Christian (Mund) und Anne (Roßa)

[1] Vgl. u.a Hanack, Peter: Corona-Ferien? Von wegen, Frankfurt 2020, in: https://www.fr.de/rhein-main/schule-org77114/corona-ferien-wegen-13599637.html [abgerufen am 22.03.2020].

Wagner, Thomas: Digitalisierung an Schulen. Versäumnisse rächen sich in der Corona-Krise, in: https://www.deutschlandfunk.de/digitalisierung-an-schulen-versaeumnisse-raechen-sich-in.680.de.html?dram:article_id=472972 [abgerufen am 22.03.2020].

[2] Niedersächsische Landesschulbehörde: Rundverfügung 4/2020. https://www.mk.niedersachsen.de/startseite/ Aufgrund des föderalistischen Bildungssystems in Deutschland musste über die Schulschließung auf Länderebene entschieden werden. Die Formulierung in diesem Erlass wurde exemplarisch ausgewählt.